Lager “Sportplatz”

Im August 1944 wurde in einem großen Lagerschuppen der Wehrmacht beim Haslacher Sportplatz ein Konzentrationslager eingerichtet, das von der SS als „Arbeitslager Barbe“ geführt wurde. Der geläufige Name war Lager „Sportplatz“. Von Kriegsende bis 1997 wurde es auch in sämtlichen Publikationen fälschlicherweise als „Lager Kinzigdamm“ bezeichnet, was viele Verwechslungen hervorrief , da es tatsächlich in Haslach ein anderes Lager mit diesem Namen gab.



Lager Sportplatz
Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof
Aufnahme um 1950


Am 16. September 1944 wurden 399 Häftlinge aus dem Lager Natzweiler-Struthof am „Sportplatz“ eingesperrt. Sie waren über Dachau und dessen Nebenlager Allach nach Haslach transportiert worden.
Es handelte sich vor allem um Häftlinge nach dem sogenannten „Nacht und Nebel“-Erlass. Allein in diesem Lager waren 13 Nationen vertreten, darunter zwei Drittel aus Frankreich.
Die Häftlinge waren laut Lagerleiter Hochhaus „in guter Verfassung“ obwohl im gleichen Schriftstück das fehlende Schuhwerk, die unzureichende Kleidung und der schlechte Gesundheitszustand bemängelt wird. So war es kein Wunder, dass bereits nach wenigen Tagen das Sterben begann.
Die Männer mussten täglich unter dem permanenten Geschimpfe und den Schlägen der Wachleute den 5 km langen Weg hoch zu den Stollen im Vulkan marschieren. Dort wurden unter Anleitung der Organisation Todt Straßen gebaut, Leitungen verlegt, Steine gebrochen und die Stollenböden betoniert.
Irgendwann am Nachmittag kam mit der Seilbahn die erkaltete Suppe aus der Stadt.
Die schlechte Ernährung und die äußerst schwere Arbeit führten dazu, dass beim täglichen Rückmarsch am Abend viele gehunfähige, verwundete oder kranke Häftlinge von ihren ausgemergelten Kameraden mitgeschleift werden mussten. Auch die Toten mussten für den abendlichen Zählappell mitgetragen werden.
Häufige Misshandlungen, ausbrechende Seuchen mit vielen Todesfällen und der einsetzende Winter schwächten die Arbeitskraft der kaum noch arbeitsfähigen Männer. Deshalb wurde Anfang Dezember 1944 das Lager mit 248 KZ-Häftlingen aus Flossenbürg verstärkt.
Auch sie waren bald durch die miserablen hygienischen Bedingungen, unzureichende Ernährung und das Fehlen notwendiger Medikamente vollkommen geschwächt.
Dies blieb der Haslacher Bevölkerung beim täglichen Marsch der Häftlinge mitten durch die Stadt nicht verborgen. Oft lagen deshalb am Straßenrand Äpfel, Kartoffeln oder ein Stück Brot. Die Wachmänner reagierten darauf unberechenbar. Manchmal wurden die Häftlinge geschlagen oder angeschossen. Es gab sogar Todesfälle.
Diese Unterstützung der Bevölkerung konnte den Häftlingen kaum das Überleben sichern. Es war aber eine moralische Unterstützung, die viele von ihnen dankbar aufnahmen. Noch heute wird diese Hilfe immer wieder hervorgehoben. Pierre Prud’homme schreibt: „Vielen Dank an Haslach, wo ich die schlimmsten Augenblicke erlebt habe, aber dank gewisser Einwohner dieser kleinen Stadt und einiger Äpfel oder Brotstücke habe ich überlebt. Ich möchte mich dafür zutiefst bedanken.
Um die Weihnachtszeit 1944 wurde das Lager „Sportplatz“ von Erwin Dold übernommen. Er versuchte die Lagerbedingungen zu verbessern und organisierte die Verpflegung mit Hilfe ortsansässiger Bäckereien und Metzgereien.
Allerdings war bei der Übernahme des Lagers durch Erwin Dold der Gesundheitszustand der Häftlinge bereits extrem schlecht. Die noch einigermaßen arbeitsfähigen Gefangenen wurden bis Februar 1945 in andere Lager überführt. Die letzten 256 todkranken und zu Skeletten abgemagerten Häftlinge des Lagers „Sportplatz“ gingen am 15. Februar 1945 auf Transport in das KZ Vaihingen/Enz. Dort starb eine große Anzahl von ihnen an den Entbehrungen und Krankheiten, denen sie seit langer Zeit ausgesetzt waren.
Das Lager „Sportplatz“ war nun kurzfristig leer. Doch noch einmal sollte es Häftlinge aus den inzwischen eingerichteten anderen Haslacher Lagern aufnehmen (siehe Lager „Kinzigdamm“ und „Vulkan“)
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