Überlebende Häftlinge

Im Zuge der Vorbereitung zur Einrichtung der Gedenkstätte wurde 1997 die Suche nach überlebenden Häftlingen aufgenommen. Michelle Bicheray, die Tochter des in Haslach ums Leben gekommenen KZ-Häftlings Gilbert Choquin, wurde durch die Arbeit der Haslacher Initiative ermuntert, diese Nachforschungen zu unterstützen. Gemeinsam mit ihr konnte die Gedenkstätteninitiative Vulkan in mühseliger und kostenintensiver Telefonarbeit innerhalb weniger Monate 70 ehemalige Häftlinge ausfindig machen. Weitere 65 Familien von inzwischen Verstorbenen wurden zusätzlich ermittelt. Das Ehepaar Bicheray hat in Jallerange bei Besancon inzwischen im Selbstverlag eine umfangreiche Sammlung von Berichten der ehemaligen Häftlinge in Buchform herausgegeben.



Überlebende am Mahnmal am 20. Mai 2000
Gilbert Dupeyroux, Pierre Prudh’homme,
Fernand Davy, René Thalmann

 








 

Am 25. Juli 1998 hatten die Gedenkstätteninitiative und die Stadt Haslach die überlebenden Häftlinge und die Angehörigen zur Einweihung der Gedenkstätte eingeladen. Dieses Treffen war durch eine ausgesprochen herzliche Atmosphäre geprägt. Mit großer Dankbarkeit wurde von den damaligen Gefangenen aufgenommen, dass man sie in Haslach nicht vergessen hatte. Das Zusammentreffen mit ihren ehemaligen Leidensgenossen und der Haslacher Bevölkerung empfanden die meisten als Befreiung. Endlich konnten sie über ihre Leidenszeit sprechen, was viele von ihnen jahrzehntelang selbst innerhalb der eigenen Familie nicht möglich gewesen war.





Ehemalige Häftlinge in der Stadthalle Haslach im Juli 1998
Alfred Aegerter: “So traurige Erinnerungen, aber ein so schönes Treffen.”









Wassil Sliptschuk aus der Ukraine wurde mit 17 Jahren nach Deutschland verschleppt. Drei Jahre verbrachte er in deutschen Gefängnissen und Konzentrationslagern. Nach seiner Befreiung wurde er auf der Fahrt zurück in die Heimat abgefangen und für vier weitere Jahre in russische Zwangsarbeitslager gesteckt, weil er bei den Deutschen für die Rüstungsindustrie gearbeitet hatte .
Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden Männer wie er rehabilitiert. Im Jahr 2000 erhielt er die monatliche Höchstrente von 33 DM. Allerdings wurde sie nur zweimal ausbezahlt. Am 30. November 2000 starb er, bevor ihn eine mögliche Entschädigung von deutscher Seite erreichen konnte.



Wassil Sliptschuk schreibt am 20.Mai 2000 ins Gedenkstättenbuch, assistiert von seinem Dolmetscher, dem inzwischen verstorbenen Haslacher Ehrenbürger und Stadtpfarrer Alfred Behr.















Inzwischen haben in den Jahren 2000, 2002, 2004, 2007 und 2014 weitere Treffen ehemaliger Häftlinge und einer großen Zahl von Angehörigen verstorbener Lagerinsassen in Haslach stattgefunden. Auch der Landtag von Baden-Württemberg hielt am 27. Januar 2002 seine Gedenkfeier anlässlich des Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz in Haslach ab.






4. Juli 2004
Schüler der Haslacher Realschule sind wie immer an der Gedenkfeier und dem Treffen maßgeblich beteiligt.

 





 


 

22. Juli 2007
Der ehemalige KZ-Häftling Pfarrer Hubert Grandadam mit weiteren Überlebenden am Ehrengrab auf dem Haslacher Friedhof.

 

 

 

 

 

 

 


Gedenkfeier am 22. Juli 2007 am Mahnmal der Gedenkstätte Vulkan.

 

 

 

 

 

Loriol mit Geschirr

 

 


Der ehemalige Häftling Joseph Loriol besuchte im Mai 2010 zum ersten Mal nach 65 Jahren wieder Haslach, hier vor einem Original-Essgeschirr aus dem KZ-Lager. Loriol war Anfang 1945 mit zwei weiteren Häftlingen geflohen. Nach Tagen waren sie an der Schweizer Grenze wieder gefasst, ins Lager „Vulkan“ zurückgebracht und schwer misshandelt worden. Auf dem Evakuierungsmarsch nach Sigmaringen Mitte April 1945 gelang ihm schließlich die Flucht.

 

 

 

 

 

Bei der Gedenkfeier am 13. Juli 2014 waren wieder 160 Angehörige ehemaliger Häftlinge anwesend. Von den 15 noch lebenden ehemaligen Gefangenen konnten nur noch drei Franzosen und ein holländischer Fremdarbeiter die Reise nach Haslach antreten:

Treffen der Häftlinge 2014

 

 


Von rechts nach links:
René Thalmann, 87 Jahre, Häftlingssprecher aus St. Dié
Piet Buijs, 91, Jahre, ehemaliger Fremdarbeiter aus Hilversum
Jean Marquis, 91 Jahre, St. Benoit
Joseph Loriol, 89 Jahre, Lepouix-Neuf